Maschinentechnik-Fachschüler mit dem Schwerpunkt Kunststoff-/ Kautschuktechnik präsentieren ihre Facharbeiten

Unzählige Arbeitsstunden lagen bereits hinter den Projekt-Teams der Fachschule Maschinentechnik mit dem Schwerpunkt Kunststoff-/ Kautschuktechnik, als das Corona-Virus von heute auf morgen den kompletten Schulbetrieb lahmlegte. Der Präsentationstermin, dem in den letzten Jahren auch regelmäßig andere interessierte AKS-Schüler, Lehrer und Gäste aus verschiedenen Unternehmen beiwohnten, stand plötzlich auf der Kippe. Eigentlich ist Teamwork mit den neuen Hygienestandards und Abstandsregelungen an niedersächsischen Schulen derzeit kaum noch mehr möglich. Größere Meetings sollen vermieden werden. 

AKS-Lehrer Stephan Kleinschmidt und sein Kollege Dieter Kampsen standen daher vor einer schwierigen Entscheidung: Durchziehen oder Absagen. Da die Projektarbeit ein elementarer Bestandteil der Ausbildung in der Fachschule ist und die Teams bereits in der Endphase ihrer mehr als zehnwöchigen Projektphase  steckten, entschied man sich, die Präsentation der Facharbeiten am Donnerstag, 14.05.2020 – unter Einhaltung sämtlicher Vorschriften und mit verkleinertem Publikum sehr zur Freude der Lernenden trotzdem durchzuführen.

Zielsetzung der Facharbeit ist die Bearbeitung eines komplexen praxisbezogenen Aufgabe unter einer übergreifenden Themenstellung, deren Durchführung in Kooperation mit einem Betrieb aus der Wirtschaft stattfindet. Wobei der unterstützende Betrieb von den Lernenden frei gewählt werden kann. Im vorbereitenden Fachunterricht erhielten die Schüler alle relevanten Informationen rund um den Themenkomplex Projektmanagement sowie notwendiges fachspezifisches Hintergrundwissen. Aber auch während der Projektphase standen die Fachlehrer ihren Schützlingen als Projektbetreuer zur Seite. 

In diesem Jahr kristallisierten sich relativ schnell fünf komplett unterschiedliche Projekte zum Oberthema “Kunststoffverarbeitung” heraus, die die Bandbreite der Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker an der Fachschule der AKS verdeutlichen. Während der Projektphase überzeugten die beteiligten Lernenden durch hohes Engagement und praxisrelevante Arbeitsergebnisse, die auch den beteiligten Unternehmen in der Region zugute kommen. Stephan Kleinschmidt hofft, dass die Betriebe in und um Lohne die tollen Sachen, die im Rahmen der Facharbeiten entstünden auch zukünftig würdigten und ihren Mitarbeiter weiterhin Weiterbildungsmöglichkeiten an der AKS einräumen würden.     

 

Anbei noch ein paar Infos zu den einzelnen Projekten:

Projekt 1: Umsetzung einer Impulstemperierung beim Herstellungsprozess von PVC-U Bauteilen unter Berücksichtigung von Prozessparametern und Energiekosten

Hier wurde für die Fa. Ostendorf in Emstek untersucht, wie die Herstellung ihrer PVC-U Bauteile durch eine Impulskühlung effektiver gestaltet werden kann. Durch einen zusätzlichen Herstellervergleich ist die Fa. Ostendorf nun in der Lage die Fertigung sofort umzustellen und kann kostengünstiger fertigen.

Bild von links: Stephan Kleinschmidt, Lukas Espelage, Andre Vogel, Simon Meyer

Gruppenfeedback: „Gleich vom ersten Tag an, mit Beginn der Projektarbeit, hatten wir die volle Unterstützung seitens der Firma Ostendorf. Der Eindruck, dass der Firma diese „Versuche“ wirklich wichtig waren, hat sich sofort bestätigt. Die Informationsbeschaffung seitens der Hersteller und die ständige Ab- und Rücksprache mit der Firma Ostendorf hat nicht immer nach Plan funktioniert, aber am Ende ist man immer gemeinsam zu einer Lösung gekommen. Eine Impulstemperierung an PVC Bauteilen auszuprobieren, war dabei für jeden von uns eine neue Herausforderung. Die Inbetriebnahme der Geräte mit den Anwendungstechnikern war sehr aufschlussreich und die spätere Optimierung hat einiges an Potenzial aus dem bisherigen Prozess herausgeholt. Ein zusätzlicher positiver Aspekt ist, dass unser Erfahrungshorizont durch das ganze Projekt erweitert wurde. Denn wer weiß schon, wie wichtig eine Projektplanung bzw. der Einsatz einer solchen Impulskühlung in der Zukunft und im späteren Berufsleben eines jedes Einzelnen sein wird? Auch wenn im Ergebnis der Arbeit keine Empfehlung ausgesprochen wurde, in diese Temperiermethode zu investieren, konnte für die Firma Ostendorf ein positives Ergebnis erzielt werden: Eine Gesamtzykluszeiteinsparung.“

 

Projekt 2: Neugestaltung der Elastolitproduktion der BASF Polyurethanes GmbH am Standort Lemförde

Auf Grund der Gestaltung einer Produktion bzw. Fertigung können erhebliche Kosten durch Laufwege von Personal und Material entstehen. Diese Gruppe hat sich mit der Neugestaltung der Produktion beschäftigt, um dadurch Zeit, Material und vor allem hohe Kosten einzusparen.

Bild von links: Leonard Lenz, David Miller, Igor Kinsfater und Dieter Kampsen

 

Gruppenfeedback: „Das Personal war sehr nett und immer hilfsbereit. Wenn Unterlagen für die Ausarbeitung gebraucht wurden, sind sie zeitnah bereitgestellt worden. Es wurde allgemein vom Unternehmen viel Zeit aufgebracht um unsere Projektarbeit zu unterstützen, z. B. durch Konferenzen, indem intensive Gespräche stattfanden. Durch viel Engagement und guter Zusammenarbeit wurden einheitliche und gewinnbringende Ergebnisse erzielt. Die Projektarbeit bei BASF war eine sehr gute Erfahrung und es konnten viele neue Erkenntnisse gewonnen werden.“

 

 

 

 

Projekt 3: Einführung einer Thermoplast – Schaumspritz – Technologie zur Reduzierung der Herstellungskosten

Hier wurde für die Fa. Boge in Damme das Thermoplast-Schaumspritzen untersucht. Mit dieser Technologie lassen sich im Vergleich zum Kompaktspritzgießen Bauteile mit ausreichend guter Qualität herstellen und man kann eine Effizienzsteigerung erzielen.

Bild von links: Stephan Kleinschmidt, Jakub Bürkle, Fabian Lisson, Julian Stöppelmann

 

Gruppenfeedback: „In der Projektarbeit haben wir viele Erfahrungen gesammelt im Bereich Projektplanung und Durchführung. Es gab natürlich auch Höhen und Tiefen während dieser Zeit, wie z. B. Rückschläge durch Maschinendefekte oder Planänderungen durch Serienaufträge. Wichtig war es sich das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und den Ablaufplan immer wieder neu anzupassen. Durch täglicher Planung und Teamgespräche fiel es uns leichter Ergebnisse zu erzielen und Fehler zu vermeiden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Projektarbeit einem sehr hilft eigenständig zu arbeiten und es wichtig ist über einen längeren Zeitraum einen Plan zu haben und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.“

 

 

Projekt 4: Wareneingangskontrolle von Thermoformmaterial mittels Tiefziehprüfwerkzeug

Fehler während der Produktion haben häufig einen Stillstand zur Folge. Dieser Fehler kann auch durch das angelieferte Material verursacht werden. Daher hat diese Gruppe ein Tiefziehprüfwerkzeug konstruiert, um angelieferte Material auf Fehler zu untersuchen und damit frühzeitig mögliche Stillstände zu verhindern.

Bild von links: Matthias Pohlschneider, Jonas Bultmann, Daniel Knaub, Daniel Baumbach, Dieter Kampsen

 

Gruppenfeedback: „Das Konstruieren eines Tiefziehwerkzeuges ohne jegliche Vorerfahrung hat einen vor Schwierigkeiten gestellt. Durch ständigen Austausch mit den jeweiligen Ansprechpartnern und dem Hersteller, ließ sich dies jedoch gut bewältigen. Außerdem wurde uns klar wie wichtig Absprache miteinander ist.“

 

 

 

 

Projekt 5: Maximieren von Umlaufmaterialien aus PVC-Kunststoffen

Auch hier wurde für die Fa. Ostendorf in Emstek gearbeitet. Das Zauberwort hier war der Begriff des Umlaufmaterials. Ziel war es hier durch eine Maximierung mehr Material wieder für verkaufsfähige Produkte zu nutzen. Im Rahmen dieser Projektarbeit wurden Lösungen erarbeitet die die Fa. Ostendorf sofort umsetzte.

Bild von links: Stephan Kleinschmidt, Dennis Goov, Jan Herget, Julian Pfaff

Jan Herget: „Dieses Jahr war ein außergewöhnliches, jedoch empfand ich die Projektarbeit als positiv. Wir hatten viel Freiraum von den Lehrern und haben viele Erfahrungen gesammelt, danke dafür. Auch während der Kontaktsperre standen wir mit den Lehrern per E-Mail in Kontakt, sodass Fragen schnell aufgeklärt wurden. Somit fällt mein Feedback positiv aus und würde es jeden ans Herz legen.“

Julian Pfaff: „Durch die Projektarbeit bei der Firma Ostendorf durften wir wertvolle Erfahrungen sammeln und bei Fragen wurden wir stets von der Firma oder unserem Lehrer unterstützt. Selbst in der Zeit des Covid-19 konnten wir unsere Ansprechpartner kontaktieren und das Projekt bearbeiten. Durch die Zusammenarbeit mit der Firma Ostendorf und Herr Kleinschmidt habe ich das Projekt sehr positiv und gelungen empfunden.“

 

 

Fotos & Hintergrundinfos: Stephan Kleinschmidt